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Eine Doppelgeschichte des Logos der National Basketball Association: über Jerry West und seine ikonische Silhouette.

Text: Christian Orban

Im Frühjahr dieses Jahres erklärte Hall of Famer Jerry West zum wiederholten Male, dass es ihm missfalle, mit dem weltbekannten Logo der NBA in Verbindung gebracht zu werden. „First of all, I wish that had never gotten out, that logo. No I do, really. I’ve said it more than once. It’s flattering that it’s me, and I know it is me, and it is flattering“, äußerte der 79-Jährige und erläuterte: „To me, I played in the time when they first started to market the league, there were five people they were gonna consider. I didn’t find out about it until the late commissioner told me about it, Walter Kennedy.“

Nunmehr bekannt als „The Logo“, bedeutete der bescheidene Berater der Golden State Warriors: „Again, it’s flattering, but if I were the NBA, I would be embarrassed about. I don’t like to do anything to call attention to myself, and when people say that [call him The Logo], it’s just not who I am, period.“ Daher würde es West durchaus begrüßen, wenn die Liga ihr ikonisches Logo, das auf seiner Silhouette basiert, abändern und auffrischen würde. „If they would want to change it, I wish they would. In many ways I wish they would.“

Seines Erachtens liegt die diesbezügliche Verantwortung zunächst bei NBA Commissioner Adam Silver, wobei sich der legendäre Los Angeles Laker jüngst selbst zierte, einen Spieler als etwaigen „Logo-Nachfolger“ zu benennen. Er, der im Übrigen bisher keinerlei Tantiemen vonseiten der Liga erhält und auch nicht erhalten möchte, sei voreingenommen. Vor zwei Jahren hatte West sich jedoch für Michael Jordan ausgesprochen – „MJs“ Schattenbild, als „Air Jordan Jumpman“ ohnehin bereits eine globale Ikone der Basketballkultur, solle von ihm aus gerne als NBA-Logo erscheinen (entsprechende und einfallsreich abweichende Fanentwürfe zirkulieren im Netz zuhauf; checkt zur Kulturfigur „MJ“ das dreiteilige 3meter5-Feature).

„Well, I think the greatest player I’ve ever seen … and I hate to say it’s not a Laker but, Michael Jordan. He’s been the greatest player I’ve ever seen“, wie West seinerzeit bekundete und wie folgt argumentierte: „And I’m probably a harsh judge of talent in the sense that I admire players that are really good defensive players and really good offensive players. And I felt that at his time in the game he was the best defensive player in the game, but more importantly he was the best offensive player. And he made his teams win.“

Apropos gewinnbringend. Nun wäre es müßig, West mit dem heutigen Mehrheitseigner der Charlotte Hornets zu vergleichen und zu entscheiden, wer der „bessere“ NBA-Akteur (sowieso eine reichlich unscharfe Kategorie) war und ist. Gleichwohl sei hier angeführt, dass der überaus erfolgreiche Mann, der mitnichten das Rampenlicht sucht und ungern als Liga-Logo herhält, eine der großartigsten Karrieren der bisherigen NBA-Geschichte vorzuweisen hat. Und zwar nicht nur auf seine spielerischen Leistungen bezogen.

West lief über 14 Jahre (1960-74) hinweg für die Los Angeles Lakers auf und generierte im Schnitt eindrucksvolle 27,0 Punkte, 5,8 Rebounds und 6,7 Assists. In jeder einzelnen Saison nahm seine Mannschaft an den Playoffs teil, wurde er selbst in die All-Star-Auswahl berufen. Zwölfmal stand „#44“ im All-NBA-Team, fünfmal im (seit der Saison 1968/69 gewählten) All-Defensive-Team. 1969 erhielt West als erster NBA-Spieler die Auszeichnung des Finals MVP, obgleich er mit seinen Lakers damals zum sechsten Mal in einer Meisterschaftsserie den übermächtigen Celtics um Bill Russell unterlag (zwei weitere Finalniederlagen, 1970 und 1973, gegen die New York Knicks folgten). 1972 gelang ihm mit den grandiosen 69-Siege-Lakers (um Wilt Chamberlain, Gail Goodrich, Jim McMillian und Happy Hairston) ein versöhnlicher, sein einziger Titelgewinn, der seinem langjährigen Kompagnon Elgin Baylor (wie so vielen anderen Ausnahmespielern) verwehrt geblieben war.

Im Unterschied zu Jordan, der als Spieler bekanntlich sechs Meisterschaftsringe sammelte, kann der einstig vielseitig befähigte Combo Guard zudem eine noch erfolgreichere zweite Karriere als NBA-Chefentscheider vorweisen. Nachdem er sich als Lakers-Headcoach (1977-79) probiert hatte, inklusive einer 145-101 Bilanz und dreier Playoffteilnahmen, lenkte er über zwei Dekaden (1982-2000) als General Manager bzw. Executive Vice President of Basketball Operations die Geschicke der Goldlilanen. So hat West die Dynastie der „Showtime“ Lakers, angeführt von Magic Johnson und gecoacht von Pat Riley (1970-75 sein Mitspieler), als Architekt entscheidend mit hervorgebracht und als Vorzeigefranchise groß gemacht (insgesamt fünf Titelgewinne in den 80ern).

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