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Christian Orban blickt trotz Playoffs zurück auf eine NBA Saison, die statistisch Herausragendes lieferte … und nein, es geht in den folgenden Zeilen nicht nur um Russell Westbrook.

Text: Christian Orban

Die Statistik-Sternstunde der abgelaufenen regulären Saison (2016/17) gebührt bekanntlich Russell Westbrook – und ihm dafür besonderer Respekt. In einer Spielzeit für die zahlenbasierten Geschichtsbücher hievte „RW0“ ein höchst mittelmäßiges Thunder-Team nahezu im Alleingang in die NBA-Playoffs. Hierbei führte der nun zweimalige Liga-Topscorer OKC nicht nur in vier der fünf Kernstatistiken an, sondern legte auch über die Saison hinweg (in gerade einmal 34,6 Minuten) im Schnitt ein Triple-Double auf: 31,6 Zähler, 10,7 Bretter und 10,4 Korbvorlagen (sowie 2,0 „Stocks“).

Zuvor war diese statistische Glanzleistung, bevor sie überhaupt einen Namen erhielt (dies geschah in den 1980er Jahren, als Magic Johnson für die „Showtime“ Lakers zauberte), allein Oscar Robertson gelungen. 1961/62 verbuchte „The Big O“ durchschnittlich 30,8 Punkte, 12,5 Rebounds und 11,4 Assists für die mediokren Cincinnati Royals. (Nebenbei: 1961-66 generierte Robertson 30,4 PPG, 10,0 RPG, 10,7 APG.) Zumal er vor 55 Jahren in Summe zugleich 41 Triple-Doubles erzielte. Eine langlebige Rekordmarke, die Westbrook mit 42 TDs (78,6 Prozent dieser Partien gewannen seine arg limitierten Thunder) in 81 Saisoneinsetzen eindrucksvoll durchbrochen hat.

Und damit nicht genug: zweimal brachte „Russ“ in sieben aufeinanderfolgenden Spielen ein TD hervor. Nur Wilt Chamberlain kann mit mehr konsekutiven TDs (neun) aufwarten. Zudem fabrizierte der „Brodie“ während regulären Saison gar dreimal ein rares 50-Punkte-TD (sowie bis dato eines in den Playoffs gegen die Houston Rockets).

Dabei liegt der „einfache“ dreifache Zehner merklich im Trend. Alle 10,5 Partien konnte die Association 2016/17 ein TD und insgesamt 117 nach Abschluss der Hauptrunde vorweisen. Also 71 mehr als noch vor zwei Spielzeiten; 94 mehr als in der Saison 2009/10, als ein TD nur alle 53,5 Partien aufschien. Demnach wurde auch die alte TD-Rekordmarke von 78 (1988/89, Magic führte die Liga mit 17 an) durch Westbrook, James Harden (22), „King James“ (13) & Co. jüngst pulverisiert.

Viele Beobachter schreiben diesen Effekt dem schnellen, offenen wie offensiven Spiel zu (zuletzt scheiterten nur ein NBA-Team, die Mavs, an der Marke von durchschnittlich 100 erzielten Punkten). Dieses lebt von der auffallenden Vielzahl vielseitig befähigter Ausnahmespieler, die verstärkt den gesamten Statistikbogen ausfüllen. So ist Westbrook allein für 35,9 Prozent der ligaweit erzielten 117 TDs verantwortlich. („The Big O“ verbuchte seinerzeit gar 63,1 Prozent der 1961/62 abgelieferten 65 TDs.)

Dass in der Association zusehends viele (durch progressive Coaches geförderte) Skillballer unterwegs sind, zeigt sich derweil auch mit Hinblick auf die Big Men. Die TD-Top-Ten umfasst fünf Bigs, die jeweils mindestens zwei TDs aufgelegt haben: Nikola Jokic (6), Draymond Green (5, inklusive eines einzigartigen TDs ohne zweitstellige Punkte), Julius Randle (3), DeMarcus Cousins (2) und Marc Gasol (2).

Abseits der medien- und öffentlichkeitswirksamen TD-Euphorie sei hier angeführt, dass „RW0“ überdies der Titel „King in the 4th“ gebührt. Im Schlussabschnitt, in durchschnittlich 7,9 Minuten, kam „Russ“ in der regulären Saison auf 10,0 Punkte (bei ordentlichen Wurfquoten von 44,2/ 35,9/ 82,3 %). Ein zweistelliger Rekordwert, den weder ein in diesem Jahr zeitplatzierter Isaiah Thomas (9,8 PPG in 8,5 MPG, bei 46,7/ 37,6/ 89,3 %), noch Kobe Bryant (9,5 PPG) während seiner High-Scoring-Saison 2005/06 erreicht hat (die diesbezügliche Datenerhebung der NBA reicht gleichwohl nur bis zur Spielzeit 1996/97 zurück).

Neben großartigen spielerischen Leistungen (gleich mehr dazu) konnte die Liga zugleich mit einer Rarität, einer seltenen Nullnummer aufwarten, die durchaus begrüßenswert erscheint: Erstmals seit 1970/71, damals traten 17 Teams in der NBA an, wurde nicht ein Headcoach während der regulären Saison entlassen (ob alle Cheftrainer den kommenden Sommer im Amt überdauern, was zweifelhaft anmutet, sei hier dahingestellt). Auch trifft dies auf die Spielzeiten 1960/61 sowie 1963/64 zu; in der Association konkurrierten zu dieser Zeit acht bzw. neun Franchises.

In der Regel stellte sich die Trainerfrage zuletzt jedoch meist anders dar, drehte sich das Personalkarussell deutlich schneller. Etwa wurden 2015/16 fünf Coaches während der laufenden Spielzeit subsituiert. Über die vergangenen fünf Jahre waren im Schnitt mehr als drei Entlassungen vor Saisonsende zu verzeichnen. Nur vier Übungsleiter – Gregg Popovich, Rick Carlisle, Erik Spoelstra und Dwane Casey – stehen seit mindestens fünf Jahren für den gleichen Arbeitgeber an der Seitenlinie. Kurzgesagt: Weitgehend werden Cheftrainer in der NBA eingestellt, um häufig alsbald wieder gefeuert zu werden.

2016/17 geschah dies auch deshalb nicht, weil immerhin zwölf Teams, also 40 Prozent der Liga, mit Coaches an den Start gingen, die ihre erste volle Spielzeit für ihren Arbeitgeber absolvierten. Hinzukamen weitere vier Trainer, die sich erst in ihrem zweiten Vertragsjahr befinden. Und nicht zuletzt, blieben wenige Franchises frühzeitig in der Saison sportlich allzu drastisch hinter den Erwartungen zurück.

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