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Christian Orban hat sich die ersten Wochen der Paarung „Anthony Davis & DeMarcus Cousins“ angeschaut, ordnet das Big-Men-Duo historisch ein und blickt in die Zukunft eines Experiments, dessen Ausgang ungewiss ist.

Text: Christian Orban

Der unerwartete Trade von DeMarcus Cousins zu den New Orleans Pelicans hat der strauchelnden Franchise aus dem Süden Louisianas neue Hoffnung und eine Neuausrichtung gegeben. So können die großen Wasservögel am Mündungsdelta des Mississippi seit Ende Februar zwei All-NBA Bigs aufbieten, die zur gleichen Zeit in ihrer basketballerischen Blüte stehen. Zumal sich die beiden Ausnahmespieler zukünftig gemeinsam weiterentwickeln wollen und werden.

Das zeitweilige Gerede von neuerlichen „Twin Towers“, die den „Smallball“ herausfordern oder gar die gegenwärtige „Pace-and-Space“-Ära re-revolutionieren würden, mutet hingegen reichlich realitätsfremd an. Mitnichten, weil eine erneute Dominanz der NBA Big Men auszuschließen wäre – sondern vielmehr, weil vergangene Basketballzeiten, spielerisch gesehen, unwiderruflich vorbei sind.

Zudem haben sich an den Sümpfen und Bayous von New Orleans zwei Große eingefunden, die keineswegs als sogenannte traditionelle Big Men daherkommen. Ganz im Gegenteil. Als vielseitig versierte Bigs verkörpern sie das vorherrschende schnelle, offene wie offensive Spiel, an das sie sich als veritable „Skillballer“ eindrucksvoll angepasst haben. Dabei vereinen die zwei wohl talentiertesten NBA Big Men Länge mit Agilität, Durchsetzungsvermögen und einem einzigartigen Mix an Fähigkeiten (bei Davis sticht seine einmalige Athletik hervor, die ein weniger schneller, recht sprungschwacher, aber dafür robusterer Cousins nicht vorweisen kann).

Beide sind sie variable Scorer mit Drang zum Korb und einer Reichweite bis hinter die Dreipunktelinie, wenngleich sie von Downtown bislang lediglich (unter-)durchschnittlich treffen (Cousins versenkt derzeit immerhin 35 Prozent seiner knapp fünf Distanzversuche). Mit ihren Fähigkeiten im Dribbling und Drive, ihrem effektiven Ausagieren des Pick-and-Roll (besonders Davis als Abroller), „DMCs“ ausgereiftem Pass- und herausragendem Postspiel, Davis‘ Qualitäten als Werfer aus der Mitteldistanz und Finisher im Fastbreak, passen sie als Viel- und potenzielle Alleskönner gut zusammen. Kein anderes NBA-Team kann solch ein hochbefähigtes Big-Man-Duo aufs Parkett schicken.

Ihre aktuellen Zahlen (die sich in wechselseitiger Anpassung gewiss noch ein wenig verändern werden) – „Boogie“ legt als Pelican im Schnitt 24,4 Punkte, 12,5 Rebounds, 3,9 Assists sowie 2,7 „Stocks“ auf; „The Brow“ kommt seinerseits auf 28,6 Zähler, 11,5 Bretter, 1,8 Vorlagen, 1,3 Steals und 1,6 Blocks seit Cousins den Weg nach New Orleans fand – sind fraglos die Kernwerte zukünftiger Hall of Famer. Und das ist keine verfrühte Prognose. Beide vormalige Kentucky Wildcats sind All-NBA-Teamer und Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele. Davis, 23 Jahre jung, kann überdies mit einem NCAA-Titel sowie vier All-Star-Nominierungen in seinen ersten fünf Profijahren aufwarten. Einmal wurde er überdies ins All-Defensive-Team berufen. Derweil kommt sein 26-jähriger Kompagnon als Abo-All-Star auf drei konsekutive Teilnahmen.

Um ihre gegenwärtige Produktion in Perspektive zu bringen, sei außerdem angeführt, dass mit maximal 23 Jahren außer Davis nur die Hall of Famer Bob McAdoo (der später als Backup von Kareem Abdul-Jabbar mit den „Showtime Lakers“ zwei Titel gewann) und Shaquille O’Neal durchschnittlich 27 Punkte, elf Rebounds und zwei Blocks generiert haben (zur Zeit von Wilt Chamberlain und Walt Bellamy wurden Blocks statistisch noch nicht erfasst). Die einzigen Big Men, die im Alter von 26 Jahren mindestens je 27 Punkte, zehn Abpraller und vier Anspiele pro Partie verbucht haben, sind neben Cousins noch Abdul-Jabbar und McAdoo (auf alle Spieler erweitert, gesellen sich Oscar Robertson und Elgin Baylor hinzu).

Bereits jetzt befindet sich die „Boogie-Brow“-Combo demnach in auserwählter Gesellschaft. Doch bedarf es auch des NBA-Teamerfolgs, um diese Anerkennung zu bekräftigen und zu beglaubigen. Und auf dieser nicht-individuellen Habenseite stehen bislang gerade einmal vier Playoffniederlagen und ein Erstrundenaus (2015) für die „Monobraue“. „DMC“ blieb mit den dysfunktionalen Kings bekanntlich nicht ein einziger Playoffeinzug vergönnt.

Auch 2017 wird es in New Orleans für Cousins keinen Postseasonbasketball geben. Die erwartbaren spielerischen Anpassungsprobleme nach dem Cousins-Trade haben indes weniger mit den beiden hauptdarstellenden „Bs“ zu tun, als viel mehr mit der unzureichenden Kaderzusammenstellung und den aufscheinenden Schwächen der Wasservögel. Von den 23 Partien seit dem Trade gewann das Team nur zehn.

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