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In seinem neuen „Freiwurf“ blickt Christian Orban zurück auf den „Beef“ zwischen Shaquille O’Neal und JaVale McGee. Was steckt hinter dem Streit? Welche Grenzen wurden überschritten? Warum haben alle verloren?

Text: Christian Orban

„Some beef is big and some beef is small
But what y’all call beef is not beef at all
Beef is real life happenin‘ everyday“
– Mos Def (Black Star), What’s Beef?

Der unnötige wie unschöne „Beef“ zwischen Shaquille O’Neal und JaVale McGee wurde nach beidseitiger Eskalation via Twitter vor einigen beendet. Und das ist gut so. Bevor Shaq nochmals verbal oder via Video auszuteilen vermochte, gebot ihm Lucille O’Neal, seine liebe Mutter, Einhalt. „Just say Shaq’s mom called him, told him, ‘Stop this silliness. Leave him alone.’ So that’s the end of the beef. You won’t be hearing about it from my side anymore. Mama has spoken“, ließ der Hall of Famer im Dienste des Fernsehsenders TNT verlauten. Ob auch NBA Commissioner Adam Silver ein Machtwort gesprochen und dem 45-jährigen Entertainer einen Maulkorb verpasst hat, bleibt offen …

Indes lohnt es, den kindischen „Kleinkrieg“ der beiden Sevenfooter hier nochmals aufzurollen und ihn kritisch zu analysieren. Warum? Weil der ausgetragene Konflikt eine gesellschaftliche Reichweite aufweist und somit keine scheinbare Nonstory darstellt. Vordergründig geht es dabei kultürlich um ein nachvollziehendes Verstehen – Positionen aufzufächern, und nicht darum, Partei zu ergreifen oder jemanden an den Pranger zu stellen. Auch mediale Spaß- und Sprachpolizei soll hier nicht gespielt werden. Aber der Reihe nach.

Schauen wir zunächst zurück: Ende Februar wurde das groteske Twitterduell dadurch entfacht, dass O’Neal den 30-jährigen Neu-Warrior erneut dem Spott der Basketballwelt aussetzte. Bei „Inside the NBA“ präsentierte er auf TNT nicht nur einen Zusammenschnitt von McGees Karriere-Lowlights, sondern nahm ihn auch mit einer „Doctor Strange“-Parodie (ein unpassender Marvel-Comiccharakter) aufs Korn, die sehr gewollt erschien. McGees mediale Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Sodann setzte das feindselige Hin und Her auf Twitter ein (später mehr dazu).

Nun ist es bekanntermaßen kein Novum, dass sich O’Neal, Charles Barkley und Kollegen über McGees slapstickhafte Aussetzer und basketballerische Missgeschicke lustig machen. Seit Jahren wird der Big Man im satirischen TNT-Segment „Shaqtin’ A Fool“ prominent gefeatured. Damit hat er unfreiwillig eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt, an der er hörbar Anstoß nimmt. In mehreren Interviews hat McGee zuletzt sein Missfallen über diese Art von Öffentlichkeit sowie Shaqs mediales Auftreten und Verhalten ihm gegenüber deutlich zum Ausdruck gebracht.

Dass er sich öffentlich beschwert, ist nachvollziehbar und nicht unberechtigt. Mehr als jeder andere Spieler sieht er sich wiederholt mit Shaqs TV-Spöttelei konfrontiert, die er als überzogene und ungerechte Schikane empfindet. Wobei es zunächst durchaus Gründe gab, ihn öfters beim nunmehr seit sieben Jahren bestehenden „Shaqtin’ A Fool“ zu sehen. Etwa beging der Centerspieler einst den Fauxpas, zurück in die Verteidigung zu laufen, während sich sein eigenes Team im Angriff befand. Hinzukommen spektakulär misslungene Aktionen, wie allzu optimistische Dunk- und ungeschickte Abwehrversuche. Böse Zungen behaupten sonach, dass er sich seine Omnipräsenz als „Fool“ aufgrund serieller Patzer und Pannen selbst verdient habe.

McGee hat es hingegen als empfindsamer bzw. empfindlicher Mensch reichlich satt, sich aus Unterhaltungsgründen und Gewohnheit dem Spott ausgesetzt zu sehen. Zumal er als effektiver Rollen- und Rotationsspieler eines Meisterschaftsanwärters seine NBA-Karriere derzeit respektabel wiederbelebt und dabei wenige Fehler begeht (bei einer Feldwurfquote von 65 Prozent und der höchsten Effizienzrate seiner Laufbahn legt er gut sechs Punkte und drei Rebounds in knapp zehn Minuten pro Spiel auf). Auch daher ist es eine billige Nummer, dass zwölf der 15 peinlichen Fehler, die Shaq in seinem Video-Zusammenschnitt präsentiert, nicht aus McGees aktueller Saison im Golden State herrühren. Vielmehr stellen sie ein bemühtes wie bequemes Vorführen der Vergangenheit dar, die der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Alldieweil O’Neal mit seinem kostümierten Schauspiel die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu ziehen sucht.

Sicher, bei TV-Formaten wie „Shaqtin’ A Fool“ sowie O’Neals Auftritten und Äußerungen geht es in erster Linie um Entertainment. Genauso wie ein Großteil der Sportberichterstattung (in mehrfacher Hinsicht) Unterhaltung ist, die mal mehr, mal weniger intelligent und gehaltvoll daherkommt. So lässt sich etwa „Inside the NBA“ als televisierter Trashtalk beschreiben, der überaus gut in die Ära der sozialen Medien passt. Eine originelle, launige personelle Performance, die vom Zusammenspiel ihrer charismatischen und polarisierenden Charaktere lebt.

„It’s TV, something like Shaqtin’ A Fool brings a little excitement and fun. There’s no disrespect personally“, betont dementsprechend Lucille O’Neal in Verteidigung ihres Sohnes. „This isn’t just Shaquille’s idea. It’s all in fun.“ Erwartungsgemäß sieht Shaq selbst dies nicht anders. McGee ließ er deshalb wissen: „I’m just playing.“ Während er ihm folgenden Ratschlag mit auf den Weg gab: „Be happy I made you famous, you thin-skinned millennial.“

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