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Anfang der 2000er Jahre war Ben Wallace das Gesicht einer aufstrebenden Pistons-Mannschaft, unentwegte Maloche sein Erfolgsprogramm. Big Ben spielte und verkörperte „Detroit Basketball“. Ob seiner einschüchternden physischen Präsenz und erstickenden Verteidigungsarbeit war unter den Körben stets „Fear the ‘Fro“ angesagt. Seinerzeit galt der ungedraftete Ringbeschützer und Rebounder als bester Defensiv-Center der Association. Ligaweit erfuhr und erfährt der vierfache „Defensive Player of the Year“, All Star und einmalige NBA-Champion Respekt und Anerkennung. Unlängst haben ihn die Pistons geehrt, und sein Trikot unter die Hallendecke gezogen. Ein guter Anlass, um auf die Karriere eines einzigartigen Teamspielers zurückzublicken, und Big Bens Dominanz und Relevanz zu beleuchten.

Text: Christian Orban

Mitte Januar dieses Jahres gastierte mit den Golden State Warriors der amtierende Champion im Palace of Auburn Hills. Ein würdiger Rahmen, um dem Aushängeschild und Defensivanker der letzten Pistons-Meisterschaftsmannschaft (2004) kollektiv die Ehre zu erweisen und seine Rücknummer „3“ feierlich zurückzuziehen.

Beinahe vier Jahre nach dem Rücktritt vom Profibasketball war Ben Wallace somit zurück an seiner alten Wirkungsstätte. Und mit ihm einstige Weggefährten; darunter Richard Hamilton, Tayshaun Prince, Chauncey Billups, Rasheed Wallace sowie Meistertrainer Larry Brown.

Auch Draymond Green war in der Halle zugegen und kurzzeitig zurück in der Heimat. Im Vorfeld der Partie hatte er einen offenen Dankesbrief verfasst, in dem er Big Ben als Vorkämpfer und persönliches Vorbild belobigt. Der 25-jährige Point und Power Forward erinnert: „It was the early 2000s and I was just a young kid growing up in the city of Saginaw, which is approximately 72 miles north of the Palace of Auburn Hills, where an undersized guy by the name of Ben Wallace was wreaking havoc for the Detroit Pistons. Ben was dominating anyone who came anywhere near the paint.“

„He was one of the most feared players to grace the court at that time in the NBA“, pointiert der vormalige Saginaw Trojan und Michigan State Spartan.

Gleichzeitig wunderte sich Green als Heranwachsender darüber gehörig. „At 6-feet-9 (on a good day) one should never be able to be as dominant as he was. Consequently, as a kid, I wondered how in the world was he doing it. It was a mystery.“

Mit der Zeit gelang es ihm jedoch, das „Geheimnis“ des vermeintlich zu kleinen Big Ben zu entschlüsseln. „Ben had an incredible work ethic. Not only did he work out extremely hard every day, but more importantly, he had the heart of a lion. It was amazing because he didn’t say much, but everyone knew that he meant business.“

„He was the blue-collar, hard-working guy“, erklärt der heutige Warrior und ergänzt: „That’s how we lived in Saginaw, so it was easy to relate to him.“ Auch konnte er sich seinerzeit mit Wallace rein äußerlich identifizieren, wie er erläutert: „During that time, I wore a huge afro, as I thought it was cool because at home games at the Palace, Big Ben sported a huge afro as well.“ In Detroit genoss „The ‘Fro“ Kultstatus.

Später baute er zu Wallace, den er als „big brother“ noch immer überaus wertschätzt, eine persönliche Beziehung auf. Zumal Green (wenngleich er nachweislich ein vielseitigerer Spieler und unverkennbar extrovertierterer Typ ist) gegenwärtig durchaus Parallelen zu sich selbst sieht. „Here we are about 10 years later and a common story line has surfaced – how am I able to do what I do while undersized, just like Ben.“

„I refuse to be outworked and I consider myself to have the heart of a lion“, betont der letztjährige Meister und bedeutet: „It is only fitting that with my return to Michigan only a day away to play in my home state against the Detroit Pistons, Big Ben’s jersey is being retired.“

Schließlich diente er ihm – „a kid from Saginaw with a dream of playing in the NBA“ –, als Idol und Inspirator, dem er sich nach der Erfüllung seiner „Hoop Dreams“ nun zu Dank verpflichtet fühlt. „Thank you, Mr. Wallace, for showing me that it is possible to make it to the NBA and wreak havoc while being undersized! Hopefully, there is a kid watching me and wondering the same things I did about you, realizing that man does not have the ability to judge what’s in another man’s heart!“

Geleitworte

Gewiss, solch anrührende „Work hard, play hard“-Wohlfühlgeschichten werden in den USA gerne generiert, gelesen und von der Association gestützt (etwa Stephen Currys stetig recycelte Underdog-Erzählung). Und dass im Zuge von Ehrenveranstaltungen reichlich wohlmeinende und wohlklingende Worte fallen, ist auch klar.

Gleichwohl sollten wir Greens einnehmende Äußerungen nicht als bloße Phrasen und Plattitüden abtun, sondern sie ernst nehmen. Denn genau dies tut der großartige Zwei-Wege-Basketballer; beherzt und unerschrocken lebt er seinen NBA-Traum – wovon seine energetischen Auftritte auf und neben dem Spielfeld zeugen. Unterbewertete Unterschätzte (siehe auch Thomas, Isaiah) haben sich selbst und anderen oft etwas mehr zu beweisen…

Und auch mit Blick auf Ben Wallace ist die Erzählung vom passionierten Blaumann glaubwürdig, ja authentisch. Die zahlreichen Aussagen seiner ehemaligen Kollegen, Mitspieler und Gegenspieler legen dies anschaulich nahe. Ein wahrer Held der Arbeit – mit Klasse.

Anlässlich der Ehrung des heute 41-Jährigen lässt Rip Hamilton verlauten: „We are all happy for him, and he deserves this. He embodied Detroit, and the fans loved him.“ Der seinerzeit selbst nimmermüde Shooting Guard und Pistons-Topscorer begründet: „Ben brought a dimension to the game that a lot of guys don’t want to do. He was a guy that did all the hard, gritty – defend, block shots, rebound. … A lot of guys get caught up in the scoring, but Ben knew what he did great. He did it the best in the league.“

Arn Tellem, Wallaces früherer Agent, stellt heraus: „Ben had a profound effect on this [the Pistons] organization.“ „He is the ultimate warrior“, wie er anschließt und akzentuiert. „Ben embodied that spirit of sacrifice and doing whatever it took to win. When I talk to other players, everyone has such great respect for him, because it wasn’t about stats. It was about winning and playing tough and competitive.“

Dies musste auch Spurs-Legende Tim Duncan erfahren, der im NBA-Finale 2005, in einer hart umkämpften Sieben-Spiele-Serie, auf Wallace traf. Rückblickend räumt „The Big Fundamental“ ein: „I hated playing against him. That’s the biggest compliment I have.“ Und der Fünffach-Champ ergänzt: „He was a heck of a competitor. It’s just amazing what he did with his career. Going out there and making things happen for himself and his team. He was the ultimate team player. He’s just a great guy.“

Greg Kelser, ehemaliger Piston und aktueller Heimspiel-TV-Kommentator, fasst Big Bens Bedeutung und Bestimmung wie folgt zusammen: „He anchored the defense. He rebounded like crazy. He was driven. He pushed his teammates. He was the leader of that group.“ Wobei Kelser bekräftigend hinzufügt: „They all had their strong leadership qualities and characteristics, but he was the guy at the top.“ Dort, wo nun auch sein übergroßes Trikot mit der „3“ hängt.

„It means a lot“, sagt Wallace selbst und gibt zu verstehen „We talk a lot about where I came from and how I got here. The jersey symbolizes the work, the love I had for the game.“ Zumal er auch die erhaltene Gegenliebe des erkenntlichen Detroiter Publikums nicht vergisst. „This is a blue-collar city, and you could tell early that the fans liked guys who busted their butts, played tough defense and hustled on the floor. You could tell how much people here could identify with that attitude.“ (Später mehr dazu.)

Über neun Spielzeiten hinweg, von 2000 bis 2006 und 2009 bis 2012, lief Big Ben für Detroit auf. Dabei erzielte er durchschnittlich 11,1 Rebounds, 6,6 Punkte, 2,3 Blocks (gegenüber 2,0 persönlichen Fouls), 1,5 Assists und 1,4 Steals (gegenüber 1,1 Ballverlusten). Weniger als sechsmal (5,7) warf der agile und athletische, aber offensiv limitierte Innenspieler pro Spiel auf den gegnerischen Korb (bei einer Feldwurfquote von 48 Prozent). Vornehmlich nahm er hochprozentige Würfe am Ring, denen häufig ein direktes Anspiel, ein Schnellangriff oder Offensivrebound, aber fast nie ein für ihn gelaufener Spielzug vorausging. Hinzu kam eine notorische Freiwurf-„Erfolgsquote“ von 41,8 Prozent, die sein dominanter Nachfolger, Pistons-Center Andre Drummond, derzeit unansehnlich unterbietet …

Wallace machte hingegen am defensiven Ende einen signifikanten Unterschied (auch hierzu später mehr.) Aufgrund seiner physischen Spielweise und hartnäckigen Verteidigungsarbeit, durch die er wohlgemerkt auch die Attacke beförderte, wird er verehrt und erinnert. Glaubhaft hieß es bei ihm: „Everyday I’m Hustlin’.“

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