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Die Atlanta Hawks planen Großes. Nicht weniger als die Dynastie der San Antonio Spurs soll in Georgia nachgebaut werden. Doch braucht es dafür einen Superstar?

Text: Simon Reindl

Die Atlanta Hawks und die Dallas Mavericks lieferten sich in den letzten Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber weder um die Meisterschaft noch um den ersten Pick der Draft. Nein, keine andere Franchise wurde in den letzten Offseasons so oft mit einem vereinslosen Star in Verbindung gebracht als diese beiden.

Ob Deron Williams, Dwight Howard, Luol Deng oder selbst Carmelo Anthony. Ständig strukturierten die General Manager beider Teams den Kader so, dass man in der Offseason eine möglichst flexible finanzielle Lage besaß.

Nun, wir alle wissen, für welche Teams die oben genannten Namen heute spielen. Doch in der letzten Offseason schafften es die Dallas Mavericks, das Rennen der pseudointeressanten Free-Agent-Landestätten für sich zu entscheiden.

Chandler Parsons ist nicht der nächste LeBron James, das Potenzial zum Führungsspieler hat er aber. Atlanta jedoch ging mal wieder leer aus. Angesichts des Vorbilds aus San Antonio stellt sich nun die Frage: Besitzen die Hawks diesen Franchisespieler gar schon, oder braucht Atlanta einen Helden?

Der Rückkehrer: Al Horford

Mit Joe Johnson und Josh Smith gab die Franchise in den letzten Jahren gleich zwei potenzielle Franchisespieler ab. Der einzige verbliebene Spieler dieser „Big Three“ ist Al Horford. In der Saison 2012/13 bewies er mit 17 Punkten und 10 Rebounds pro Spiel, dass er der Rolle als wichtigster Spieler der Hawks durchaus gewachsen war. Dann verletzte er sich im Dezember 2013 schwer und verpasste den Rest der Saison.

Nun ist er zurück und will wieder voll angreifen. Momentan legt der Big Man 13,5 Punkte bei einer Wurfquote von 55 % auf, dazu kommen 6,5 Rebounds und 1,5 Blocks. Die Effektivität von früher hat er schon wieder zurückgewonnen, um die Abpraller muss er sich nun mit Paul Millsap streiten und die relativ geringe Punkteausbeute ist dem gemeinsamen Scoring mit Millsap und Teague geschuldet.

Ist der Mann aus der Dominikanischen Republik fit, zählt er trotz seiner geringen Körpergröße von „nur“ 2,08 m zu den besten Centern in der NBA und bewegt sich immer im Dunstkreis des All-Star-Games.

Vor allem der sichere Wurf aus der Mitteldistanz macht ihn zu einer Allzweckwaffe in der Offensive. Trotzdem tauchte Horford nach seiner Verletzung in Tradegerüchten auf.

Für den richtigen Preis hätten die Hawks ihn vermutlich sofort abgegeben. Doch nun spielt er eine weitere Saison in Georgia und muss beweisen, dass er seine Topform wieder erreichen kann. Ob er der Held ist, der die Hawks aus dem Mittelmaß des Ostens befreien kann, ist ungewiss.

Der All-Star: Paul Millsap

Die Big Men Al Horford und Paul Millsap sollte das neue Traumduo der Atlanta Hawks werden. Millsap war als Free Agent in der Offseason 2013 nach Atlanta gekommen, um gemeinsam mit Horford die Zone der Gegner zu dominieren. Doch nach Horfords Verletzung spielte er den Alleinunterhalter und war auf einmal das Gesicht der Hawks unter dem Korb.

Er gab einen mehr als adäquaten Ersatz für Horford und wurde auch direkt zum ersten Mal in seiner Karriere ins All-Star-Team berufen. Seine sehr guten Leistungen waren sicher auch ein Grund dafür, dass die Hawks mit einem Trade von Al Horford liebäugelten.

In den Playoffs bewies der Stretch-4er, dass er die Hawks durchaus führen und ein Spiel entscheiden kann. Aus dem temporären Horford-Ersatz ist in kurzer Zeit eine feste Größe im Team geworden. Denn auch in dieser Saison legt er wieder sehr solide Zahlen auf: 16,7 Punkte, 8,2 Rebounds, fast 3 Assists und 2,3 Steals pro Spiel.

Millsap leistet sowohl in der Offensive als auch in der Defensive seinen Beitrag. Allerdings läuft sein Vertrag zum Ende dieser Saison aus und aufgrund seiner Leistungen werden sicher einige Teams Interesse an ihm haben. Die Hawks sollten ein Resigning so schnell wie möglich unter Dach und Fach bringen, denn ein Spieler des Kalibers Millsap kann der Rolle als spielentscheidender Held durchaus gerecht werden.

Der Aufstrebende: Jeff Teague

In der Konversation um einen der besten Point Guards im Osten fällt Jeff Teague meist unter den Tisch. Zu Unrecht. Mindestens 15 Punkte und fast 7 Assist im Schnitt über die letzten 3 Saisons sprechen für sich. In den Playoffs trug Teague mit 19,3 Punkten im Schnitt maßgeblich zu der extrem engen Serie gegen Indiana bei. Auch in dieser Saison zeigt der Point Guard Ansätze, die vermuten lassen, dass er die Atlanta Hawks zum Sieg führen kann: 18 Punkte und eine Dreier-Quote von 38,2 % stehen für ihn zu Buche, beides momentan Karrierebestwerte für ihn.

Mit 7,2 Vorlagen pro Spiel liegt er außerdem auf Kurs, sein Career-High aus der Saison 2012/13 zu erreichen und vielleicht sogar zu übertreffen.

Teague ist drauf und dran, den letzten Schritt in seiner Entwicklung zu machen und Abend für Abend konstant gute Leistungen zu bringen. Er ist ein sehr vielseitiger Point Guard, der eine gute Übersicht beweist und auch scoren kann. Auch wenn er in der Offseason 2013 schon mit einem Bein in Milwaukee war, ist er auf einem guten Weg, der Spieler zu werden, auf den man sich in brenzligen Situationen verlassen kann.

Vorbild San Antonio

Die oben genannten Spieler besitzen allesamt durchaus das Potenzial, als Franchisespieler zu glänzen, wenngleich Teague noch mindestens ein Jahr Entwicklung braucht.

Ein Blick auf den Headcoach und das System der Hawks lassen aber noch eine ganz andere Idee als interessant erscheinen.

Agieren Coach Budenholzers Hawks weiter nach dem Vorbild San Antonio, so bietet sich der Aufbau einer Franchise ganz ohne herausragenden Star an.

Eine Kombination aus unterschätzten Starspielern, die ihre eigenen Bedürfnisse hinter das Team stellen, und guten Rollenspielern, die mögliche Schwächen kaschieren.

Nach dieser Saison enden neben dem Vertrag von Paul Millsap auch die Arbeitspapiere von DeMarre Carroll, John Jenkins und Elton Brand. Während sich Brand sowieso kurz vor seinem Karriereende befindet und John Jenkins es trotz seiner Qualitäten als Shooter bisher einfach nicht schafft, Fuß zu fassen, sollte man sich unbedingt um ein Resigning von Carroll kümmern.

Der Small Forward zeigt immer unermüdlichen Einsatz und legt darüber hinaus in Sachen Punkte und Wurfquote persönliche Bestwerte auf. Sein Abgang würde ein klaffendes Loch in die Zukunftsplanungen der Hawks reißen. Er stellt mit Mike Scott, Shelvin Mack und dem diese Saison positiv überraschenden Dennis Schröder den Kern der Rollenspieler in Atlanta dar.

Die meisten der benötigten fähigen Rollenspieler befinden sich eigentlich bereits im Kader. Sollten weder Carroll noch Millsap neue Vertragspapiere erhalten, stehen den Hawks kommende Offseason 18 Millionen Dollar zur Verfügung. Genügend, um sich die Dienste eines Gary Neal, Danny Green oder vielleicht sogar Goran Dragic zu sichern. Während die ersten beiden bereits im System der San Antonio Spurs und auch unter Budenholzer gespielt haben, könnte Dragic gemeinsam mit Teague ein schlagkräftiges 2-Guard-Duo bilden.

Fazit

Braucht Atlanta also wirklich den einen herausragenden Helden? Einen Spieler wie Kobe Bryant oder LeBron James? Sollte man in der nächsten Free Agency wieder die ganz großen Namen jagen? Nein, Atlanta hat mit Horford, Millsap und Teague drei Spieler im Kader, die ein solides Fundament für den teamdienlichen Basketball bilden.

Für die Zukunft gilt es eigentlich nur, auf dieses Fundament ein gewitterfestes Gebäude aus fähigen Rollenspielern zu bauen, welche die drei Säulen des Teams ergänzen und gewisse Schwächen kompensieren.

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