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André Nückel ist eigentlich Fußballer. Dann wollte er sich dem American Football zuwenden … und landete beim Basketball. Doch warum interessiert sich eigentlich gefühlt niemand für die NBA in Deutschland? Ein Plädoyer für den Spalding.

Text: André Nückel

Als angehender Sportjournalist beschloss ich im vergangenen Herbst, mich nicht nur dem Fußball zu widmen. In Gesprächen mit Kommilitonen und Freunden wurde allerdings offensichtlich, dass nicht alle bereit sind, sich auf andere Sportarten einzulassen. Dieser Artikel soll helfen, über die Grenzen des Nationalsports hinwegzublicken, denn Basketball ist eine unheimliche geile Sache.

Für mich konnte es eigentlich keinen anderen Weg geben: Mein Vater spielte im höheren Amateurbereich und hatte die Möglichkeit, mit Fußball Geld zu verdienen. Als Sprössling hatte ich allerdings kein großes Interesse, gegen das runde Leder zu kicken. Erst zur Jahrtausendwende habe ich eine Affinität zum „geilsten Sport der Welt“ entwickelt.

Schnell fing ich an, selbst auf Torejagd zu gehen und kicke bis dato immer noch in den Niederungen des Amateurbereichs gegen den Ball. Seit ich denken kann unterstützte ich zudem den FC Bayern München und schwärme für den Fußballer Steven Gerrard – ein echter Leader. Als eingefleischter Anhänger die Triple-Saison der Bajuwaren zu erleben, war einfach unbeschreiblich. Eine Steigerung konnte natürlich nur die Weltmeisterschaft sein, die, wie wir wissen, sensationell erreicht wurde.

Normalerweise richte ich meinen ganzen Tag nach solchen Großereignissen. Aber wie konnte es mir, der von vielen Leuten „als absolut fußballverrückt bezeichnet wird, passieren, dass ich freiwillig auf Spiele der Weltmeisterschaft verzichte? Ganz einfach: Game Five der NBA-Finals 2014 stand an.

Eigentlich NFL

Als ich im letzten Herbst mich eigentlich der NFL, dem Football, widmen wollte, weil ich das komplexe Match absolut faszinierend finde, entwickelte ich jedoch binnen kürzester Zeit eine Verbindung zur NBA. Es war so ähnlich wie bei einem kleinen Jungen, der gerade im Schaufenster ein neues Matchbox-Auto sieht und mit großen Augen nicht mehr vom neuen „Must-Have“ abweichen kann.

Natürlich wusste ich die Namen einiger Protagonisten schon im voraus – ganz zu schweigen von Dirk Nowitzki, den man als deutscher Staatsbürger kennen muss. Eine Legende, die zu wenig Wertschätzung erhält. Schnell recherchierte ich die Seiten, die mir den Input zur besten Basketballliga der Welt liefern. Fortan richtete sich mein erster Touch am Morgen auf die NBA-Gametime-App, um die Ergebnisse beziehungsweise den Box-Score der vergangenen Nacht zu kontrollieren.

LeBron James war mir bereits vorher ein Begriff, aber als Newcomer kommt man gar nicht am selbsternannten King vorbei. Daher versuchte ich mir die Sportart anhand seiner Person zu erklären und die Faszination zu verstehen. Insbesondere Highlight-Clips von James oder anderen Top-Athleten ließen mich in eine Art Trancezustand fallen, die ich normalerweise nur von Traumtoren oder spannenden Partien in der Königsklasse kenne.

Einem Bekannten zeigte ich vor wenigen Wochen den Buzzerbeater von Vince Carter aus der ersten Playoffs-Runde gegen die Spurs, wodurch die Dallas Mavericks in der Serie in Führung gehen konnten. Anstelle von unglaublicher Begeisterung, denn das war wirklich ein phänomenaler, sportlicher Moment, regte sich im Gesicht meines Kumpels wenig. Er zuckte mit den Achseln und meinte: „Traumtore fallen nahezu an jedem Wochenende in der Bundesliga.“

Sprachlos. Entsetzt. Erschrocken. Jeder Mensch, der sich nur ansatzweise für den körperlichen Wettkampf interessiert, hätte doch ausflippen müssen, oder nicht? San Antonio Fans mal ausgenommen. Folgerichtig versuchte ich zu analysieren, warum so viele meiner Freunde sich lediglich für Fußball begeistern können oder zeitweiligen Hypes folgen wie im Sommer 2013, als Sabine Lisicki beinahe für eine Sensation in Wimbledon sorgte.

Ist die „Festgefahrenheit“ wirklich nur das Produkt unserer medialen Berichterstattung, die durch den Primat des Fußballs beeinflusst wird? Liegt es etwa daran, dass die Freizeitbeschäftigung des männlichen Geschlechtes zu gefühlt 85 Prozent auf das runde Leder abzielt? Oder aber ist es der Tatsache geschuldet, dass uns der Samstagnachmittag-Bundesliga-Konferenz-Gewohnheitsmodus daran hindert, neue Wege zu gehen oder Sportarten zu entdecken? Keine Ahnung. Diese Frage kann ich mit meinen 22 Stanzen wohl kaum beantworten.

Warum nicht NBA?

Allerdings möchte ich versuchen, anderen Menschen den Basketball, insbesondere natürlich die NBA, näher zu bringen. Es lohnt sich.

Beginnend mit dem Fakt, dass in der NBA 30 Teams um Glanz und Gloria fighten und dabei minimal 82 Spiele bestreiten müssen – wo gibt es das sonst? Aufgrund des knallharten Spielplans in der regulären Saison bekommt man nahezu jeden Tag mehrere Games geliefert, die man in Relation gesehen über den League Pass sogar relativ günstig erwerben kann, wenn man die 180 Euro bis 250 Euro auf Spiele oder Tage ummünzt. Als Anhänger eines Team oder mehrerer Teams kommt man hier ganz klar auf seine Kosten.

Natürlich kann die Zeitverschiebung hier ganz klar als Gegenargument angeführt werden, da die Spiele in der Regel nicht vor 23:00 Uhr abends anfangen – Pustekuchen! Europäischer Spitzenfußball, der unter der Woche zelebriert wird, dauert auch im Normalfall bis kurz vor Mitternacht, wenn man die Interviews mit einberechnet. Des Weiteren hängt die heutige Generation vor dem Einschlafen sowieso noch an ihren Smartphones, weshalb die Gametime-App parallel auch Entertainment bieten kann.
Ganz davon abgesehen, sind Zusammenfassungen und die Begegnungen in voller Länge jederzeit abrufbar.

Während in anderen Sportarten, auch hier führe ich Fußball an, dominierende Mannschaften oft die Kugel in ihren eigenen Reihen halten, auf Ballbesitz fokussiert sind und auf den einen Moment warten, der das Match entscheiden könnte, geht’s im Basketball rauf und runter, rauf und runter. Die Begrenzung der Angriffssequenz auf 24 Sekunden verspricht hohes Tempo und vor allem eins: Action.

(Point) Guards, gleichzusetzen mit dem klassischen Spielmacher, kreieren auf engstem Raum, binnen kürzester Zeit zahlreiche Chancen für ihre Mitspieler – salopp gesagt. Manchmal sind die Augen einfach überfordert und es benötigt eine Zeitlupe, um zu sehen, wie Chris Paul Blake Griffin wieder einen Alley-Oop aufgelegt hat und der Spalding durchs Netz zischt. Wahnsinn.

Der Grad der technischen Perfektionen muss an dieser Stelle auch angesprochen werden. Eine Rarität sind schlampige Ballverluste im Dribbling oder Dunking. (Selbstredend gibt es auch hier Spezialisten, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.) Wenn diese Finesse dann auch noch mit einer unfassbaren Athletik gepaart wird, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Alleine schon die Vorstellung, wie ein James zum Dunk ansetzt und der verteidigende Gegner versucht zu blocken oder stören und dabei einfach wie Wasser an einem Felsen abprallt und zu Boden geht, während der „King“ das orangene Spielgerät reinhämmert – Gänsehaut.

Glück? Nicht hier …

Einen ganz nüchternes Argument, das nichts mit täglichem Wahnsinn oder der Top-Ten-Plays des vergangenen Jahres zu tun hat, bewahre ich mir ganz bewusst bis zum Schluss auf.

Beim König Fußball gibt es nicht Wenige, die behaupten, dass manche Titel oder wichtige Siege äußerst unverdient waren oder glücklich zustande kamen. Dem stimme ich teilweise zu, wenn man alleine den Champions League Triumph vom FC Chelsea London aus dem Jahre 2012 betrachtet. Nach dem Viertelfinale parkte die Elf von Roberto Di Matteo sprichwörtlich den Bus vor dem Tor und der Gegner war unfähig, zu spielen.

Wer in der NBA die Regular Season als Playoffteam abschließt, das in der Regel mehr als die Hälfte der 82 Partien gewonnen haben muss, steht definitiv zurecht in der Postseason. Im Anschluss kannst du nicht mehr durch einen glücklichen Treffer in der Nachspielzeit ins Ziel kommen. Nein, du musst in jeder einzelnen Partie dein Bestes geben. Am Ende zählen vier Siege, um in die nächste Runde einzuziehen.

Daher kann hier niemand behaupten, dass eine Franchise mit Glück die „Larry O’Brien“-Trophäe im Juni in den Konfettiregen stemmt. Im Best-of-Seven-„Survivalmodus“ heißt es tatsächlich „Friss oder stirb“, sodass die Champs über jeden Zweifel erhaben sein müssen.

Auch wenn dieser Beitrag kein reiner Basketball-Artikel ist, so war es mir wichtig, meine Meinung kundzutun. Basketball ist eine faszinierende Sportart, die in unserem fußballgeprägten Land leider viel zu wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit erhält. Meine Liebe zum Fußball wird definitiv uneingeschränkt bleiben, schließlich kicke ich selbst und arbeite bereits als „Hauptpfleger“ eines Amateurfußballportals im Westen der Republik, jedoch freue ich mich auf die Zukunft. Ich bin gespannt darauf, wie sich die mediale Berichterstattung in punkto Spalding verändern wird.

Als angehender Sportjournalist möchte ich daher dazu beitragen, dass neben unserem König eine weitere Sportart im Rampenlicht der Presse stehen kann. Und warum soll das nicht der Basketball sein?


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